Der Stolz der WälderInnen

Stolz und nobel erscheint die Trägerin unsrer ‚Wälder Frauentracht'. Die gefältelte Juppe mit den filigranen Goldstickereien auf dem ‚Müodôrë ûnd Vöortuoh' und dem figurgebenden, eng geschnallten Gürtel, machen die Tracht zu dem, was sie ist, einmalig und schön.

 

Juppô
Die Juppe ist das Kernstück der Bregenzerwälder Frauentracht. Sie ist ein knöchellanger, bis über die Brust reichender, gefältelter und gestärkter, schwarzglänzender Rock, auf dem ein ärmelloses Mieder aufgesetzt ist. In etwa Kniehöhe ist ein blaues Zierband, ebenfalls gefältelt aufgenäht. Der Stoff ist feinstes Leinen. Die Juppe wird vom Trachtenfärber hergestellt. Aufwendige Arbeitsgänge wie: das Färben, das Appretieren, das Glänzen oder Gläschten, das Nähen der Tüchle und das Fälteln (ca. 450mal), sind zeitaufwendig und arbeitsintensiv. Die Juppenmacherin näht nach Maß das Mieder, setzt es auf das Unterteil und muß dann die Falten im Brustteil ‚ricken'. Die Juppe wird erfreulicherweise wieder mehr auch von jungen Frauen zu kirchlichen und weltlichen Anlässen getragen.

 

Müodôrë und Bändl
Das Mieder, wird grundsätzlich in schwarz oder rot auf die vom Färber gelieferte Juppe aufgenäht. Man kennt daher die ‚schwarzgmüodôrat' und die ‚rotgmüodôrat Juppô' Zur weißen Juppe wird immer das rote Mieder und weiße Ärmel getragen. Die ‚Bändlnäherin' bestickt mit Gold-, Silber- und Farbfäden ein Samt- oder Ripsband mit ausgesuchten Kunstmotiven. Die schön bestickten Bändel säumen das Mieder rundum ein. Eine weitere Zier sind die ‚Keadôra'. Keadôra knüpfen ist von Hand geklöppelte Goldfadenarbeit und wird von eigenen Keadôrôknüpferinnen gemacht.

 

Vöortuoh oder Blëatz
Der Brustfleck ist wohl das vornehmste Prunkstück der Wäldertracht. Er ist wie der Bändl, ein mit Gold-, Silber- und Farbfäden bestickter Brustlatz, jeweils abgestimmt auf das Müodôrë und auf den Bändl. Jede Trachtenträgerin hat mehrere Vöortüochôr. Zur schwarzgmüodôrôtô Juppô gehört noch der schwarze ‚Halsbändl'. Mädchen tragen zur ‚Rotgmüodôrôtô' hingegen ein blaues, seidenes Dreiecktuch um den Hals und eine blaue Schürze.

 

Eeml
Die Ärmel geben der Juppe je nach Veranstaltung die Fröhlichkeit, den Ernst oder das Vornehme. Die Ärmel sind aus Seide, Baumwolle oder Brokatstoffen genäht. Das Bunt der Ärmel besticht genauso wie das Einfache und Einfarbige.

 

Göartl und Schnallô
Der schwarze Gürtel hat sich vom ehemaligen breiten zum heute eher schmalen Gürtel gewandelt. Die Schnalle, die hinten getragen wird, ist ebenfalls ein vom Goldschmied gefertigtes, filigranes Prunkstück. Es gibt ‚dî uofach ûnd dî drügschtùcklôt Göortlschnallô'.

 

Schappalë
Es ist das Kleinod der Wäldertracht und wird nur von Mädchen bis zum Tage der Hochzeit getragen. Das Schappalë ist eine kelchartige Flitterkrone aus Goldfaden und Pailletten. Die Fertigung eines Schappalë ist feinstes und heikelstes Kunsthandwerk.

 

Brämôkappô
Sie ist neben dem Schëahuod wohl die vornehmste Kopfbedeckung der Bregenzerwälder Frauentracht. Die Brämôkappô ist eine aus schwarz eingefärbtem Seehundfell mit grünem Samtboden gefertigte Kappe.

 

Schpîtzkappô
Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine in den Spitz zulaufende, schwarze, gestrickte und aufgeraute, nach oben gebürstete Wollmütze, die nur für den Kirchgang und für festliche Anlässe getragen wird. Eine Besonderheit der Spitzkappe sind die auf die ganze Mütze verteilten zwölf weißen Punkte. Der Überlieferung nach stehen sie für die zwölf Apostel.

 

Schëahuod
Der Schëahuod ist ein eher jugendlicher, schwarzer Strohhut für den sommerlichen Ausgang. Das Material ist feinstes Strohband, kunstvoll zu einem flachen Kopf und Rand genäht. Der Aufputz ist meist ein schwarzes Band mit einer einfachen Schnalle oder Masche.

 

Im Lôôd
Für den Trauerfall gibt es die einfachen und fast schmucklosen Teile unserer Tracht, wie Lôôdschnallô, die schwarz abgedeckten Bändel, das einfache Vöortuoh und natürlich d`Schtuchô.

 

Schtuchô
Sie ist wohl die älteste Kopfbedeckung unserer Tracht. Die Schtuchô ist ein weißes Leinentuch, das über den Kopf und die Schulter getragen wird. Es gibt nur mehr wenige Frauen, die ‚a Schtuchô' richtig anlegen können. A Schtuchô wird mancherorts noch bei Begräbnissen und bei Jahrtagen getragen. Man sieht sie aber leider immer weniger.

 

Schalk
Darunter versteht man ein aus schwarzem Glanzleinwand hergestelltes Jäckchen, das die bunten Ärmel und das prunkvolle Müodôrë verdecken soll. Nach einer alten Legende ist der Schalk zur Zeit der Pestseuche um 1600 entstanden. Damals haben die Bregenzerwälderinnen versprochen, alles Prunkhafte der Juppe mit einem schlichten, einfachen Jäckchen zu verdecken. Dieses Versprechen haben unsere Frauen beim Kirchgang bis auf den heutigen Tag gehalten. 

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